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Alt 04.09.12, 20:55   #2
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Standard Grundsätzlich eine gute und förderungswürdige Idee, doch...

Grundsätzlich ist der Vorschlag sehr zu begrüßen!

Der autoritäre Gestus des Künstlerarchitekten oder sog. Fachmanns, der im öffentlichen Raum dem Bürger etwas „vor die Nase“ baut, was dieser Bürger dann jahrzehntelang ertragen muss, passt nicht zu einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft. Wettbewerbe, wie sie bis heute unter Architekten praktiziert werden, haben oft nur den Charakter einer demokratischen Inszenierung einer gewissen Scheinauswahl. Der Bürger hat dort nicht viel zu wählen. Tatsächlich urteilen in diesen Jurys vor allem Architekten über die Entwürfe von Architekten.

Ich möchte auf zwei absehbare besondere Schwierigkeiten hinweisen, die auf dem Weg zu mehr Bürgerbeteiligung zu bedenken sind:
1. Architekten, die an den heutigen Hochschulen Deutschlands ausgebildet werden, repräsentieren im wesentlichen eine eigene Stilrichtung. Innerhalb dieses "Architektenstils" mag es gewisse Unterschiede geben, ja große Kontroversen zwischen den verschiedenen Architekturbüros um das Richtige und das Schöne geben. Doch bei allem Streit im Detail, wäre der Stil heutiger Architekten in die Musikwelt übertragen, mit einer Stilrichtung wie etwa „Rockmusik“ zu bezeichnen. So unterschiedlich Rockmusik in sich ist, sie ist niemals Jazz, sie ist niemals Klassik usw. Das will sagen, die heutige Ausbildung von Architekten ermöglicht in ihrer Einheitlichkeit keine wirkliche Wahl des Bürgers. Dasjenige, was viele Bürger im Bereich der Architektur heute gerne wählen würden, liegt außerhalb der Stilkompetenz von rund 99% der heutigen Architekten. Es wäre nämlich eine eher klassische Formensprache, jedenfalls keine fünfhundertste Variante von Bauhaus oder Corbusier. Der Run auf die originalen Altbauten mit Stuck und Flügeltüren in den Großstädten beweisen es. Wenn also das Publikum gerne eine Sinfonie von Shostakovich hören möchte, es stehen de facto jedoch nur fünf Schülerrockbands zur Auswahl, dann dürfte die Sache gründlich schief gehen, selbst dann, wenn eine der Band tatsächlich musikalische Versuche in Richtung Shostakovich unternehmen sollte.
2. Das Beispiel der Musik zeigt, dass es in ästhetischen Dingen ein Stilempfinden wirksam ist, dass wenig Spielraum lässt für rein sachliche Betrachtungen oder gute Kompromisse. Die Konsequenzen und Gefahren schlechter Kompromisse lassen sich am Berliner Stadtschlossprojekt besichtigen. Die eine Hälfte in 1930-Jahre-Modern, die andere in Barock. Es ist dabei absehbar, dass weder die Liebhaber moderner Architektur noch die der barocken mit diesem Ergebnis wirklich glücklich sein dürften.

So wird deutlich, dass Entscheidungsprozesse im Bereich des Gestalterischen nicht in einfachen und unmittelbar demokratisch ausgehandelte Kompromisslösungen ihr glückliches Ende finden können. Es bedarf, wie in der Musik, gewisser stilistischer Vorentscheidungen, ein Abend mit Volksmusik, oder einer mit Jazz, um dazu dann die jeweils passenden Musiker oder Komponisten einzuladen. Diese Vorentscheidungen, diese Stildebatten müssten irgendwie auch in der Architektur getroffen werden können. Erst nach dieser Vorentscheidung können die Gestaltungsvorschläge mit einer gewissen Schlüssigkeit erarbeitet werden - vorausgesetzt wir haben eines Tages Architekten, die wieder alle Stile entwerfen können.

Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass der öffentliche Raum unbegrenzt ist. Anders als beim Konzert oder der Museumsausstellung, die für ein spezifisches Publikum zugeschnitten sein kann, ist die gute Stadtgestalt ein gutes Ensemble von Architektur, in der es wie beim musikalischen Zusammenspiel Rücksicht zu nehmen gilt. Auch wenn gerade die moderne Architektur im 20. und 21. Jahrhundert meist sehr rücksichtslos agiert hat, so ist es doch die Rücksicht und eine gewisse Harmonie von Stadtvierteln, die sich viele Bürger heute wünschen, freilich nicht alle Bürger. Manche lieben auch das Chaos und Durcheinander zum Leidwesen der ersteren. So lautet die Frage, wie können wir die Disparität der unterschiedlichen Stile und Lebensentwürfe im naturgemäß unbegrenzten Raum so gut organisieren, dass man sich nicht gegenseitig auf die Nerven fällt?

Die angedeuteten Schwierigkeiten wollen keine Einwände gegen wirkliche Bürgerbeteiligungen sein, sondern im Sinne einer besonderen Herausforderung zeigen, dass es mit einem Irgendwie oder einem bischen mehr an Bürgerbeteiligung in der Architektur nicht so leicht sein wird.
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Alt 31.08.12, 07:11   #1
fsadmin
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Beiträge: 414
Standard Crowdsourcing: Die Demokratisierung der Architektur

Crowdsourcing ist in vielen Branchen Gang und Gäbe. In der Architektur dagegen findet Co-Creation bislang kaum statt. Dabei könnte die Teilhabe der Vielen eine wichtige Quelle der Inspiration sein.

http://www.harvardbusinessmanager.de.../a-851958.html
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